ArtMuc – Kunst und Prätention

Letzten Sonntag, bei strahlendem Sonnenschein und mit guter Laune machte ich mich auf den Weg zur Praterinsel. Nach gutem Frühstück lässt sich Kunst auch besser vertragen. Zum zehnten Mal fand die ArtMuc nun statt, ein Format, dass zum Verkauf von Kunst und Netzwerken unter Künstlern dient. Es hat wohl schon der oder dem ein oder anderen als Sprungbrett auf der Karriereleiter gedient. Viele lokale, aber auch internationale Künstler, sowie Galerien, Projekte und Kollektive stellten aus. Dem schönen Wetter, der Location und natürlich auch dem Event geschuldet, war der Andrang trotz Corona und drohendem Lockdown recht groß, ohne dass es allerdings anstrengend wurde. Das Münchner Szene Publikum hingegen ist es oftmals doch. Doch hier sind die Anstands- und 2-Haushalt-Regeln endlich mal nützlich, man wird nicht so einfach in prätentiöse und meist auch dumme Gespräche verwickelt.

Gleich zu Beginn bekommt man für seine 14 Euro einen Gutschein an der Campari-Bar, es dauert nach dem Frühstück also nicht lange bis schon wieder der erste Campari-Amalfi in der Hand ist. In der Sonne und in mehr oder weniger guter Gesellschaft wird also erstmal getrunken und geraucht, bis man sich der eigentlichen Kunst widmet. Aufgeteilt sind die über 80 Künstler in drei Ausstellungshallen. Die erste in die ich laufe, scheint für die weniger Begabten zu sein. Vielleicht liegt es allerdings auch daran, dass ich sie einfach nicht verstand. Zum Glück war es nicht sehr groß. Erst schlendern ich hindurch, dann sprinte ich schon fast raus. Zum Glück sind die anderen beiden Hallen noch größer! Nach dem nächsten Campari-Amalfi, der hinter den Herbstblättern seinem schönen Namen so wahnsinnig gerecht wird, geh ich in die nächste Halle, die in der Tat deutlich besser ist. Ich verbringe ziemlich viel Zeit hier, das tolle an der ArtMuc ist ja, dass nicht einfach Kunst ausgestellt wird, sondern es eine Plattform ist, bei der die jeweiligen Künstler ihre Standpunkte vertreten. Ich spreche eigentlich nicht sonders gerne Leute auf Ihre Intentionen an, etwas zum Ausdruck zu bringen. Es ist ja schließlich schon in der Welt und was ich damit anfange ist mir nun selbst überlassen. Doch macht es immer wieder Spaß plakative Sprüche der Künstler zu hören, wie „Dieses Bild symbolisiert eine lange Freundschaft, die aufgrund von Universität und Stress in immer weniger Kommunikation mündet.“ Vielen Dank. Auf der anderen Seit war das Bild doch sehr aussagekräftig… hätte ich bloß die Erklärung nicht gehört. Ich widmete mich fortan einem Künstler, der impressionistische Bilder ausstellte. Ein Platz voller Leben, irgendwo im Mittelmeerraum begeisterte mich. Die Stimmung, die in Italien beim Abendessen herrscht, wenn die Kinder am Platz Fußballspielen, Straßenverkäufer ihre Spielzeuge durch die Luftfliegen lassen und die Luft von Essen, Wind und Zigarettenrauch erfüllt ist, kommt auf. Nur kurz weiter hat ein weiterer Künstler ein Porträt von Charles Bukowski angefertigt. Zum Glück mal etwas Substanz!

Nach einer kurzen Pause in der Sonne bei Flammkuchen und Zigarette ging ich nun also in die dritte Halle. Hier wimmelt es so von moderner Kunst, die wohl in die Richtung Streetart gehen soll. Mickimäuse finden sich in allen möglichen Bildern und alle halten vergeblich nach Banksy Ausschau. Doch auch hier ließ es sich länger aushalten, denn Überraschungen findet man überall. Tolle Fotografien, dem Anschein nach vom (leider schon wieder zum Mainstream verkommenen) Burning-Man-Festival und ein beinahe Psychedelische wirkendes Gemälde eines Blattleeren Winterwaldes mit gelben Blumen stechen heraus. Einige tolle Zeitgenössische Kunstwerke sind zu finden, tropisch anmutende Blätter, tolle Portraits ausdrucksstarker Gesichter und auch einige Skulpturen begeistern sehr. Alles in allem, gehe ich glücklich und zufrieden, von einem gelungenen Event, das dem Leitmotiv unserer Gegenwart, bloß nicht zu sehr anzuecken und auf Hygiene zu achten, zwar gerecht wird, aber mir dennoch einen Schönen Tag in der Sonne und mit Kunst beschert. Denn die tatsächlich Leidenden dieser Tage sind die Kulturschaffenden unserer Gesellschaft. Sie alle verdienen zumindest unsere Aufmerksamkeit.

Hier noch ein paar Eindrücke:



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