Heiraten in Tracht

Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht eher bescheiden. Doch für viele Verliebte kam es noch dicker… die Hochzeit musste abgesagt werden. Nur im ganz kleinen Kreise konnte standesamtlich geheiratet werden. Dabei wurde ursprünglich die Traumhochzeit mit Freunden und Familie großzügig geplant. Ausgelassen feiern wollte man, am Tegernseer oder Starnberger See, da wo die gute Gesellschaft sich in der Sonne gern amüsiert. Und wie es sich bei uns daheim so gehört, auch in Tracht. Dazu gehören will man halt. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, wo man herkommt. Wer in München was auf sich hält, hält sich auch an die hiesigen Gepflogenheiten.

Die Tracht hat im letzten Jahrzehnt wieder enorm an Bedeutung gewonnen. Das liegt natürlich an der internationalen Beliebtheit der Wiesn, am Traditionsbewusstsein der Bayern und an der Attraktivität der Region, aber auch an der leicht charmanten Arroganz der Einheimischen. Bayerisch sein, das ist man, das wird man nicht. Da ist es auch egal, wie viel man verdient, wie man redet oder ob man sich in Tracht kleidet. Doch, dass das recht unbefriedigend für de zuagroastn ist, ist verständlich. Der Versuch an sich sollte doch auch für etwas zählen? Der Biergartenbesuch im Janker, die Lederhosn auf der Wiesn, das Weißbier am Vormittag und das gekünstelte Münchnerisch und „Servus“ „… und zwar sowohl zur Begrüßung als auch Verabschiedung, das gibts ja gar nicht“ reichen nun mal nicht unbedingt. Das Lebensgefühl und vor allem Selbstbild eines Bayern kann nicht nachgeahmt werden. Doch bleiben wir zunächst mal beim Versuch, und zwar beim größten von allen: Das heiraten in Tracht. 

Es ist ein großes Bekenntnis and die (Wahl-) Heimat, das Fest der Liebe, den Liebens- Vertrauensbeweis zweier Personen zueinander, das instituierte Zelebrieren einer Bindung, hoffentlich ein Leben lang, in Tracht zu vollziehen. Es rückt nämlich die Bedeutung der Region auf einmal in das Licht der Aufmerksamkeit. Die zwei Liebenden sind selbstverständlich noch Hauptakteur und zentraler Charakter des Hauptaktes, jedoch wird ausdrücklich und unmissverständlich der wohl wichtigste Tag im Leben in Tracht verbracht. Viel Größer kann die Liebe zu Bayern nicht zum Ausdruck gebracht werden. Doch rein Bekenntnis zu Bayern ist es wohl auch nicht. Denn die Schönheit darf am wichtigsten Tage ja nicht zu kurz kommen. Schön und geschmückt ist man in der Tracht und selbstverständlich ist sie in Bayern auch… allerdings nicht bei jedem. „Mei Spatzal, schau, da heirat ma drausn schee am See in da Klonen Kapelln, du ziagst da a Dirndl o, und I kim a in am Trachtnanzug“ oder aber „Mensch, schau mal Schatzi, da am Tegernsee gibts so ein schönes Hotel, da ist es wunderschön. Und wenn wir uns noch eine Tracht anziehen, mei, dann sind wir hier echt angekommen“.


Was die katholische Kirche zur Lederhosen während der Zeremonie sagen würde, wollen wir allerdings nicht weiter erörtern. Denn obwohl diese in Bayern nach wie vor von (großer) Bedeutung ist (leider), was beispielsweise durch die Forderung der Bayerischen Staatsregierung nach Kruzifixen in Behörden beschämenderwpeise nur allzu deutlich wird, wollen zumindest wir der Kirche nicht mehr zugestehen in unser Miteinander einzugreifen. Zumindest nicht auf der persönlichen Ebene. Ob es nun ein Fauxpas ist, in der Lederhosn in die Kirche zu gehen, oder verständliche, ja gar gewollte, Provokation einer eher überflüssigen Institution, deren hauptsächliche Daseinsberechtigung nur noch mehr in der Gewährleistung einer schönen Hochzeit in der Kapelle ist, scheint mir gar alles andere als entscheidend. Denn das verschwindet, wie auch die Tatsache in oder nicht in Tracht zu heiraten, hinter der erstrahlenden Freude die so eine Hochzeit nun mal bringt. Denn letztendlich geben sich hier zwei Liebende das Versprechen eine gemeinsame Zukunft voll Liebe und Vertrauen sich gegenseitig zu ermöglichen…. Und das, zumindest hier in Bayern, in der schönsten Heimat die man sich nur vorstellen kann!

Passend zur Hochzeit der Janker von Lodenfrey